Zunächst einmal: 2017 war für uns ein gutes Jahr. Es war das erste gemeinsame Jahr in der Besetzung der Redaktion wie sie heute ist. Und wenige Tage vor Jahresende können wir freudig verkünden, dass wir unser Spendenziel erreicht haben – netzpolitik.org e.v. hat somit in diesem Jahr keinen Verlust gemacht. Darüber freuen wir uns sehr und bedanken uns bei allen, die das ermöglicht haben! In den monatlichen Transparenzberichten kann man außerdem sehen, dass das Jahr sehr stabil verlief – Ausreißer gab es in der Regel nur, wenn vierteljährliche, halbjährliche oder jährliche Rechnungen bei uns eingingen. Das Jahr war in dieser Hinsicht frei von Überraschungen, was in Bezug auf Finanzen meistens nicht das Schlechteste ist.
Was kostet eine Stunde netzpolitik.org?
Wir können auch wieder sagen, was aktuell eine Stunde netzpolitik.org kostet: 237,07 Euro! Eine Mitarbeiterstunde kostet gerade 26,34 Euro und im Moment kalkulieren wir eine volle Mitarbeiterstelle inklusive sämtlicher Ausgaben mit ca. 56.000 Euro. Für wen das viel klingt: Das meint Arbeitgeberbrutto mit sämtlichen Ausgaben vom Strom über Kaffee bis zur Reinigungskraft. Wir haben zuletzt auch mal nachgeschaut und festgestellt, dass unsere seit diesem Jahr einheitlichen TVÖD 11 – Gehälter unterhalb des Einsteigergehaltes des Journalisten-Tarifvertrages liegen. Und wir sind auch alle keine Einsteiger mehr.
Im direkten Vergleich mit Spendeneinnahmen und Ausgaben aus dem letzten Jahr zeigt sich, dass sich unsere Entwicklung zum Positiven verändert hat. Eine Ausnahme ist die Weihnachtszeit – hier wurde im letzten Jahr deutlich mehr gespendet. Allerdings sah die Finanzierung im letzten Jahr noch nicht ganz so gut aus und der Hinweis darauf führte offenbar zu vielen einmaligen Spenden durch unsere Leserinnen und Leser. Aber auch die Daueraufträge sind gestiegen. In diesem Jahr macht sich das Jahresende weniger bemerkbar. Der November ist hier in der Grafik mit rund 36.000 € Spendeneinnahmen noch nicht abgebildet, liegt aber schon als Transparenzbericht einzeln vor. Dieser liegt deutlich unter dem Vorjahreswert, und für den Dezember sieht es bislang ähnlich aus. Etwas genauer sieht man die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben in dieser Grafik, in der 2016/2017 abgebildet sind:
Interessant fällt auch die Visualisierung unserer Daueraufträge aus. Diese sind für unsere Planungssicherheit sehr relevant. Es schläft sich einfach besser, wenn man weiß, dass regelmäßig ein relativ konstanter Betrag auf jeden Fall auf das Konto kommt.

Hier sieht man vor allem, dass unser Aufruf vor einem Jahr dazu geführt hat, dass sich die Daueraufträge damals verdoppelt haben. Lag der monatliche Durchschnitt vor einem Jahr noch bei rund 10.800 Euro, so sind es jetzt bereits 19.500 Euro. Danke dafür!
Allerdings zeigen uns die Zahlen auch, dass wir bei den Daueraufträgen seitdem kein wirkliches Wachstum hinbekommen haben, obwohl wir unsere journalistische Qualität und auch unseren Output steigern konnten. Das sorgt bei uns natürlich auch für Diskussionen: Werben wir zu wenig dafür, dass wir fast ausschließlich über Spenden finanziert werden? Brauchen wir neue Ansätze dafür als nur den einen Hinweis in jedem Artikel, der vielleicht auch besser formuliert werden könnte?
Wir halten uns bisher im direkten Vergleich mit anderen Webseiten mit ähnlichem Finanzierungsmodell bewusst in der Bewerbung zurück. Wir haben uns für dieses Modell der Non-Profit-Finanzierung entschieden, um unabhängig sein zu können. Außerdem wollen wir niemanden durch ein Abo-Modell ausschließen und so offen wie möglich sein. Wir verfolgen statt vielen aufdringlichen Hinweisen eine andere Strategie, z.B. mit monatlichen Transparenzberichten, die vor allem von den Stammleserinnen und ‑lesern wahrgenommen werden und nicht von den vielen Leserinnen und Lesern, die via Twitter und Facebook auf einzelne Artikel stoßen. Von allen Leserinnen und Lesern spenden etwa 5 Prozent an uns. Diese 5 Prozent sorgen dafür, dass hier jeden Tag neue Artikel entstehen können, die vielen Menschen zugutekommen. Danke, dass ihr das möglich macht.

Es gab aber auch in diesem Jahr Momente, in denen wir etwas an unsere Grenzen kamen: sei es in Bezug auf die Masse der Themen oder auch die Zeit und das Handwerk, gute Grafiken zu erstellen, um insbesondere komplexe Themen anschaulicher darstellen zu können und somit auch Menschen anzusprechen, die sich bis jetzt noch nicht oder wenig mit netzpolitischen Themen befassen. Wir wollen gern mit anderen Formaten spielen – nicht zuletzt, um den Einstieg in Themen zu erleichtern. Daher diskutieren wir intern sehr viel über Möglichkeiten, die Spenden zu erhöhen.
Request for Feedback: Was sind Eure Ideen für uns?
Etwa durch Modelle wie eine Fördermitgliedschaft oder einen Netzpolitik-Club, die unser Vorhaben ermöglichen, noch breitere Inhalte und eine bessere Veranschaulichung zu bieten. Immer wieder fragen uns Leserinnen und Leser, wann wir endlich einen Shop einrichten, bei dem unser Merchandising vertrieben wird: auch das werden wir im nächsten Jahr angehen. Was meint ihr? Haben wir vielleicht etwas völlig Offensichtliches übersehen? Müssen wir doch einmal jährlich ein Dinner mit unserer Redaktion versteigern oder reichen vielleicht schon Kleinigkeiten? Was wünscht ihr euch von uns?
Wir freuen uns auf Ideen und Feedback von Euch. Hier in den Kommentaren, auf dem kommenden Chaos Communication Congress in Leipzig, wo die gesamte Redaktion anwesend sein wird und auf allen anderen Kanälen, wo Ihr mit uns in den Dialog treten könnt.


